Handbuch für Pfarreileitung im Team in Pfarreien ohne kanonischen Pfarrer

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Thesen zur Geistlichen Leitung - Rolle des Priesters im Leitungsteam -

Die Rahmenbedingungen unserer Pfarreien haben sich während der letzten gut 20 Jahre wesentlich verändert. Die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeitenden und die der Gemeindemitglieder wurden kleiner. So ist es heute nicht mehr möglich, jede Pfarrei mit einem kanonischen Pfarrer zu besetzen.

Die pastoralen Räume entsprechend anzupassen, sie zu vergrößern, birgt eine doppelte Gefahr: Die Kirche vor Ort wird geschwächt, denn sie lebt von Überschaubarkeit und zwischenmenschlicher Nähe; der Priester wird zum Funktionär und Organisator einer Großpfarrei.

Um diesen Gefahren zu begegnen, wird in den betroffenen Pfarreien „eine Gemeinschaft von Personen an der Wahrnehmung der Seelsorgsaufgaben einer Pfarrei beteiligt“ und dazu ein Priester bestimmt, der die geistliche Leitung wahrnimmt, indem er die Pastoral dieser Pfarrei leitet / moderiert[1] (vgl. can. 517 § 2 CIC).

Der Priester, der die Pastoral einer Pfarrei ohne kanonischen Pfarrer leitet / moderiert, versteht die konkrete Situation der Kirche und der Gesellschaft als eine Herausforderung – durchaus auch im Sinne einer Zumutung – in die uns Gott gestellt hat, und er versucht, die Zeichen der Zeit im Licht der Heiligen Schrift und der lebendigen Tradition der Kirche zu verstehen und zu deuten.

Der Anlass für die Errichtung von Leitungsteams in den Pfarreien des Bistums Magdeburg liegt zwar in der geringer werdenden Zahl der Priester. Durch deren Errichtung kommt aber die eigene Würde und die Berufung aller Getauften neu in den Blick. Zugleich kann diese Form als Ausdruck einer synodaleren Kirche, wie sie Papst Franziskus wünscht, verstanden werden.

1 These: Grundsätze

Geistliche Leitung in den Pfarreien ohne kanonischen Pfarrer ist zu allererst eine Frage der Haltung und des Selbstverständnisses derer, die geistliche Leitung wahrnehmen und nicht eine Frage von bestimmten Aufgaben, die wahrgenommen oder nicht mehr wahrgenommen werden.

Der Priester, der die Pastoral einer Pfarrei ohne kanonischen Pfarrer leitet, ist Teil des vom Bischof nach can. 517 § 2 CIC beauftragten Leitungsteams. Er kann innerhalb oder außerhalb des Gebietes der Pfarrei wohnen und wird im Bistum Magdeburg Geistlicher Moderator genannt.

2 These: Selbstverständnis

Für den Dienst des Geistlichen Moderators gilt, was grundsätzlich für den geweihten Priester gilt: „In seinem amtlichen Handeln wird deutlich, dass Gott treu ist, dass Christus selbst in der Kirche zugegen ist: real, konkret, personal und unverfälscht“ (Die Deutschen Bischöfe, Gemeinsam Kirche sein, 37).

Sein Dienst „zielt dahin, dass alle Getauften … immer tiefer in ihre allen Getauften gemeinsame priesterliche Berufung hinein finden und leben“ (Gemeinsam Kirche sein, 37).

Er versteht sich als „Diener ihrer Freude“ und nicht zuerst als „Herr über den Glauben“ der anderen. (vgl. 2 Kor 1,24) Für sie und mit ihnen ist er als Begleiter, Spiritual, „Geburtshelfer“ und Mitsuchender unterwegs.

3 These: Haltung

Der Geistliche Moderator ist überzeugt, dass Gott durch seinen Geist in allen Getauften wirkt zum Aufbau seines Reiches in dieser konkreten Welt. Er ist getragen vom Respekt und von der Demut - vom Mut zum Dienen - gegenüber der Tauf-Berufung der Mitglaubenden und der sich in der Pfarrei engagierenden Frauen und Männer.

4 These: Aufgaben

Der Geistliche Moderator

  • nimmt an der Hirtensorge des Bischofs teil. Er repräsentiert diese gegenüber der Pfarrei, ihren Gemeinden, Gruppen und Einrichtungen und verantwortet wiederum die Pastoral, die er in der Pfarrei geistlich leitet, gegenüber dem Bischof.
  • trägt verantwortlich Sorge dafür, dass der Maßstab des Evangeliums und der Glaube der Kirche - gegebenenfalls auch korrigierend - eingebracht und gewahrt werden (Gemeinsam Kirche sein, 37).
  • hält in der Kraft des Geistes die Gemeinde beisammen, indem er diese bei Christus hält (vgl. Medard Kehl, Die Kirche). Er verweist die Gemeinden und Gemeinschaften der Pfarrei auf ihre Grunddimensionen (vgl. Hilberath / Scharer / Haslinger, Konkretion: Leitung, in: Handbuch Praktische Theologie Bd. II) und macht ihnen bewusst, dass sie nicht aus sich selbst und nicht für sich selbst leben. Er erweitert damit ihren missionarischen Horizont.
  • feiert immer wieder mit den Getauften die Zuwendung Gottes zu den Menschen in der Eucharistie und in den Sakramenten und sorgt gemeinsam mit dem Leitungsteam der Pfarrei für die Feier der Eucharistie und der Sakramente.
  • fördert die Taufberufung der Getauften und unterstützt sie bei der Entfaltung ihrer Charismen in Kirche und Gesellschaft. Er hilft ihnen, in eine persönliche Gemeinschaft mit Jesus Christus zu finden.
  • unterstützt die Getauften dabei, ihr Leben und die sie umgebende Wirklichkeit im Licht des Evangeliums und der Lehre der Kirche zu deuten und zu entfalten.
  • teilt seine Sorge um die Pastoral mit anderen Getauften und Gefirmten. Er soll die Gläubigen als Hirte führen und ihre Dienstleistungen und Charismen so prüfen, dass alle in ihrer Weise zum gemeinsamen Werk einmütig zusammenarbeiten (vgl. LG 30).
  • begleitet die Gremien und Gruppen der Pfarrei und sucht mit ihnen, was in der konkreten Situation der Wille Gottes ist.
  • sorgt dafür, dass die Leitung der Pfarrei, deren Gemeinden, Gruppen, Gremien und Einrichtungen geistlich wahrgenommen wird.

[1] Der lateinische Begriff „moderari“ ist nicht mit einem einzigen Wort adäquat übersetzbar. Wörtlich hat es mehrere Bedeutungen: „mäßigen, lenken, leiten, regeln“. Sinngemäß enthält er mehrere Facetten: begleiten, unterstützen, anregen, auf Christus verweisen, den Maßstab des Glaubens und des Evangeliums einbringen, für die Einheit einstehen…

Zuletzt geändert: 11. Mai 2023, 11:39, Von Kleist, Claudia [Claudia.vonKleist]