Handbuch für Pfarreileitung im Team in Pfarreien ohne kanonischen Pfarrer

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Grundlagen für die Pfarreileitung im Team

EA = Ehrenamtliche

HH = Haushalt

V = Verkündigung

HA = Hauptamtliche

GR = Gemeindereferent/in

D = Diakonie

P/PGR = Pfarrgemeinderat

BO = Bischöfliches Ordinariat

L = Liturgie

K/KV =Kirchenvorstand

M = Geistlicher Moderator

Vw = Verwaltung

1 Zum Schema

In einer Pfarrei ohne kanonischen Pfarrer übt der Bischof die Hirtensorge aus - mit allen Rechten und Pflichten, die er normalerweise einem Pfarrer überträgt. Er beteiligt eine Gemeinschaft von Personen - das Leitungsteam - an der Ausübung seiner Hirtensorge für diese Pfarrei. Und er bestimmt einen Priester, der die Pastoral - die Hirtensorge - moderiert / leitet. Dieser Priester ist Teil des Leitungsteams. (vgl. can. 517 §2 CIC)

Das Leitungsteam trägt gemeinsam die Verantwortung für alle Belange der Pfarrei. Es trägt Sorge für die Grundvollzüge - Verkündigung, Diakonie, Liturgie - sowie für die Organisation und Verwaltung einschließlich des Personals. Der Bischof beauftragt die Mitglieder des Leitungsteams mit zeitlicher Begrenzung, zum Beispiel für 4 Jahre analog einer Wahlperiode der Gremien. Das Leitungsteam ist Impulsgeber für und Umsetzer der Beschlüsse der Pfarreigremien. Es sorgt für Kommunikation, Vernetzung und Wertschätzung. Es besteht mindestens aus:

  • dem Geistlichen Moderator, das ist der Priester
  • einem Mitglied des Pfarrgemeinderates (PGR)
  • und einem Mitglied des Kirchenvorstandes (KV).

Empfohlen wird seitens des Ordinariats, jeweils zwei Vertreter:innen aus Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand zu benennen. Auch nicht in ein Gremium gewählte Personen können ins Leitungsteam berufen werden. Der Geistliche Moderator trägt verantwortlich Sorge dafür, dass der Maßstab des Evangeliums und der Glaube der Kirche eingebracht und gewahrt werden. Er ist in der Regel nur beratendes Mitglied in den Gremien.

Hauptamtliche pastorale Mitarbeiter:innen sind zuständig für die mit dem Ordinariat abgestimmten Arbeitsfelder und für die Umsetzung der im Leitungsteam entwickelten Aufgaben in ihrem Bereich. Mit ihrem fachlichen Wissen, ihrer pastoralen Erfahrung und ihrer verlässlichen Präsenz in der Pfarrei stehen sie dem Leitungsteam beratend und begleitend zur Seite sowie auch allen ehrenamtlich Engagierten in der Pfarrei.

Die Aufgaben ergeben sich aus den Beschlüssen der Gremien, den rechtlichen und aktuellen Gegebenheiten. Die Einbindung Vieler ist selbstverständliche Notwendigkeit.

Die Einrichtungen bleiben im vollen Zuständigkeitsbereich des KV. Dieser kann einzelne Leitungsaufgaben an das Leitungsteam insgesamt beziehungsweise einzelne Mitglieder übertragen.

2 Vertiefende Einordnung im Kontext der Weltkirche und des Kirchenrechts

Die Pfarreileitung im Team in Pfarreien ohne kanonischen Pfarrer erfolgt im Bistum Magdeburg auf Grundlage von Kanon 517 § 2 des Kodex des kanonischen Rechtes (CIC). Hier heißt es:

„Wenn der Diözesanbischof wegen Priestermangels glaubt, einen Diakon oder eine andere Person, die nicht die Priesterweihe empfangen hat, oder eine Gemeinschaft von Personen an der Wahrnehmung der Seelsorgsaufgaben einer Pfarrei beteiligen zu müssen, hat er einen Priester zu bestimmen, der, mit den Vollmachten und Befugnissen eines Pfarrers ausgestattet, die Seelsorge leitet.“

In diesem Passus geht es zuerst um die Sicherung der Pastoral. Wird eine Pfarrei durch einen kanonischen Pfarrer geleitet, hat dieser die erste Verantwortung für die Sicherstellung der pastoralen Aufgaben, die er gemeinsam mit hauptberuflich aber auch freiwillig Mitarbeitenden erfüllt. Zu diesem Dienst beauftragt ihn der Bischof, wenn er einen leitenden Pfarrer ernennt. Da der Bischof die Letztverantwortung für Pastoral in einem Bistum hat, hat er dafür zu sorgen, dass die sich daraus konkret ergebenen Aufgaben entsprechend sachgerecht erfüllt werden. Die Verantwortung des Bischofs ist sehr umfassend: Das Kirchenrecht spricht hier von einer „cura pastoralis“ – einer Hirtensorge. Diese schließt die „cura animarum“, also die Seelsorge als einen konkreten Teil der Hirtensorge mit ein. In seiner Hirtensorge für das Bistum wird ein Bischof von zahlreichen Mitarbeitenden unterstützt: auf der Ebene einer Pfarrei der Pfarrer und die anderen Mitarbeitenden.

Ist eine Pfarrstelle – eben durch den Mangel an geeignten Priestern – nicht zu besetzen, bleibt zuerst der Bischof in der Verantwortung für die pastoralen Aufgaben. Als der Verantwortliche für die Hirtensorge im Bistum hat er Vorsorge dafür zu treffen, dass die verschiedenen pastoralen Aufgaben auch erfüllt werden können – schließlich sind diese kein Selbstzweck, sondern sie dienen ja den Menschen.

Kanon 517 § 2 gibt dem Bischof nun die Möglichkeit die Wahrnehmung der Hirtensorge in diesem Fall mit anderen zu teilen – also mit einer oder mehrere Personen, die nicht Priester sind. Bei den im deutschen Text genannten „Seelsorgsaufgaben“ spricht der verbindliche lateinische Originaltext eben von der „cura pastoralis“, an dessen Ausübung der Bischof andere partizipieren lassen kann („participationem in exercito curae pastoralis“.

Werden im Bistum Magdeburg Leitungsteams in Pfarreien ohne kanonischen Pfarrer beauftragt, dann beteiligt der Bischof dieses Leitungsteam mit der Wahrnehmung der Hirtensorge in einer konkreten Pfarrei. Das Leitungsteam hat nun gemeinsam mit dem Bischof die Verantwortung für das, was in der Pastoral ihrer Pfarrei geschieht.

Zu diesem Leitungsteam gehört auch ein Priester, der, wie der Kanon formuliert, „die Seelsorge leitet“. Auch hier ist der lateinische Originaltext klarer, heißt es doch „curam pastoralem moderetur“. Es geht hier wieder um die Hirtensorge, die das Team gemeinsam mit dem Bischof wahrnimmt. „Moderari“ hat dabei eine weitere Bedeutungsbreite, als die deutsche Übertragung „leiten“ einfangen kann: neben „leiten“ bedeutetet es auch „koordinieren“ und „repräsentieren“. Gerade die letzte Bedeutung dürfte dabei für can 517 § 2 eine wichtige Bedeutung haben: So repräsentiert doch der Priester aufgrund seiner Weihe den eigentlichen Leiter der Kirche, Christus, der im Heiligen Geist wirksam ist.

Der Priester im Leitungsteam wird im Bistum Magdeburg entsprechend „Geistlicher Moderator“ genannt. Steht er doch für die Geistliche Leitung, durch die eine Pfarrei, eine Gemeinschaft und eben auch ein Leitungsteam auf Christus ausgerichtet werden, der seine Kirche führen will. In den Thesen zur Geistlichen Leitung ist dieser Dienst genauer dargestellt.

Durch den Bezug des Kanons 517 § 2 auf den Priestermangel entsteht der Eindruck, diese partizipative Form der Beteiligung, wie sie hier geregelt ist, sei etwas für „Notlösungen“. Dies mag auch mit unserer Kirchenerfahrung – in der die Pfarreien in der Regel in der Verantwortung eines ordentlich bestellten Pfarrers stehen – übereinstimmen. Jedoch ist zugleich zu fragen, ob diese „normale Form“ Kirche zu sein, auch ihrer Sendung entspricht.

Mit dem nachsynodalen Schreiben Querida Amazonia (QA) von Papst Franziskus ist can 517 § 2 CIC in einen breiten Zusammenhang gestellt worden. Die Amazonassynode vom Herbst 2019 hatte sich damit auseinandergesetzt, wie sich Kirche im Amazonasgebiet lebendig entwickeln kann. Der Papst hat dann im Februar 2020 mit diesem Schreiben seine Resonanz vorgestellt und die Überlegungen zu einer Kirche in Amazonien auch für andere Regionen der Welt als Inspiration nahegelegt (vgl. QA 4).

In der Kirche Amazoniens sind gemessen an der Weite des Landes wenige Priester tätig, folglich spricht sich Franziskus für eine größere Präsenz der Priester aus. Zugleich hält er fest, dass „dies […] ein sehr begrenztes Ziel [wäre]“. Vielmehr geht es ihm um eine Förderung an Vitalität „durch verschiedene Laiendienste“ (QA 93). Was er dafür für notwendig erachtet, umreißt der Papst dann in der Folge, wenn er seine Vorstellung von Kirche beschreibt:

„Eine Kirche mit amazonischen Gesichtszügen erfordert die stabile Präsenz reifer und mit entsprechenden Vollmachten ausgestatteter verantwortlicher Laien, die die Sprachen, Kulturen, geistlichen Erfahrungen sowie die Lebensweise der jeweiligen Gegend kennen und zugleich Raum lassen für die Vielfalt der Gaben, die der Heilige Geist in uns sät. Denn dort, wo eine besondere Notwendigkeit besteht, hat der Heilige Geist bereits für die Charismen gesorgt, die darauf antworten können. Dies setzt in der Kirche die Fähigkeit voraus, der Kühnheit des Geistes Raum zu geben sowie vertrauensvoll und konkret die Entwicklung einer eigenen kirchlichen Kultur zu ermöglichen, die von Laien geprägt ist. Die Herausforderungen Amazoniens verlangen von der Kirche eine besondere Anstrengung, um eine Präsenz in der Fläche zu erreichen, was nur zu verwirklichen ist, wenn die Laien eine wirksame zentrale Rolle innehaben.“ (QA 94)

Die Hervorhebung im Text, die auf eine „von Laien geprägte kirchliche Kultur“ hinweist, stammt von Franziskus selbst. Zugleich verweist er, wenn er von „mit entsprechenden Vollmachten ausgestattete[n] verantwortliche[n] Laien“ spricht, in einer Anmerkung auf eben can 517 § 2. Damit steht die Grundlage, auf der die Pfarreileitung im Team in Pfarreien ohne kanonischen Pfarrer, wie sie im Bistum Magdeburg sich entwickelt, in einen größeren Zusammenhang. Hier geht es wohl nur vordergründig um eine Reaktion auf den Mangel an geeigneten Priestern. Weiter gedacht, gerät das Bild einer von Laien geprägten, sehr partizipativ gestalteten Kirche in den Blick, mit der Kirche im Bistum Magdeburg ihre Zukunft gestalten will.

Zuletzt geändert: 11. Mai 2023, 11:16, Von Kleist, Claudia [Claudia.vonKleist]