Handbuch für Pfarreileitung im Team in Pfarreien ohne kanonischen Pfarrer

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Aufgabenumschreibung für das Leitungsteam

1 Verantwortung für die Pfarrei

Das Leitungsteam…

  • trägt gemeinsam die Verantwortung für die Pfarrei. Es hat die gesamte Pfarrei im Blick: mit ihren Menschen, Einrichtungen, Partner:innen. Dafür wird jedes Mitglied[1] für einen bestimmten Zeitraum vom Bischof beauftragt.
  • trägt Sorge für die geistliche Ausrichtung der Pfarrei: in der Begegnung mit Jesus Christus in den Sakramenten und in seinem Wort.
  • leitet die Pfarrei, indem es die Arbeit der Gremien steuert, Entscheidungsprozesse vorbereitet, Initiativen anstößt, die vielfältigen Aktivitäten vernetzt, auch mit Einrichtungen und Partnern in Ökumene und Gesellschaft.
  • sorgt für Kommunikation und ein gutes Klima der Wertschätzung in der Pfarrei.
  • sorgt für ein gutes Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamtlichen.

2 Arbeitsweise im Leitungsteam

Das Leitungsteam…

  • sorgt durch Arbeitsteilung innerhalb des Teams für gegenseitige Entlastung.
  • arbeitet mit den hauptamtlichen Mitarbeiter:innen zusammen und nutzt deren Kompetenzen.
  • weiß um die Aktivitäten Ehrenamtlicher und sorgt für regelmäßige Feedbacks.
  • koordiniert und verteilt notwendige Aufgaben und erledigt diese nicht selbst.
  • bereitet gegebenenfalls Beschlüsse der Gremien vor und sorgt gegebenenfalls für deren Umsetzung.
  • denkt und plant die seelsorglichen und wirtschaftlichen Zukunftsoptionen für die Pfarrei voraus und bindet dabei die Gremien sowie Haupt- und Ehrenamtliche mit ein.

Kurz: Das Leitungsteam steuert das Schiff Pfarrei unter Leitung des Kapitäns Jesus Christus.

3 Konkrete Auswirkungen für das Leitungsteam

Das Leitungsteam hat den Überblick über die Pfarrei, indem es sich diesen Schritt für Schritt verschafft beziehungsweise durch Haupt- und Ehrenamtliche verschaffen lässt.

Gemeinsam verantwortlich sein ist eine Chance, dass niemand allein für alles einstehen muss, sondern mehrere gemeinsam Verantwortung tragen. Das bedeutet auch Arbeitsteilung innerhalb des Teams.

  • So können die Vertreter des KV für Pfarrei-Verwaltung und Organisation des Büros sowie für den Kontakt zu den Einrichtungen federführend zuständig sein; für die seelsorglichen Aufgaben die Vertreter des PGR.
  • Die Dienst- und Fachaufsicht für die pastoralen Hauptamtlichen regelt das Bischöfliche Ordinariat; diese kann teilweise an den Geistlichen Moderator delegiert werden.
  • Die Zuständigkeit für die Mitarbeitenden im Pfarrbüro und Hausmeisterdienst obliegt dem KV, der sie einem Mitglied übertragen kann.
  • Den Blick auf die eigenen Einrichtungen und deren Personal kann ein anderes KV-Mitglied absichern.
  • Für alle Belange rund um Kreise und Gruppen, Ehrenamtliche und soziale Projekte scheinen die PGR-Vertreter gut gerüstet zu sein.

Das braucht untereinander und füreinander einen Vertrauensvorschuss, dass die anderen im gemeinsamen Sinne handeln. Dazu gehören Offenheit füreinander, die Courage, eigene Fähigkeiten anzubieten und weniger strukturellen Vorgaben zu betonen. Nicht zuletzt können gegenseitige Vertretungen vereinbart werden, so dass bei Urlaub, Krankheit, Überlastung usw. die Zuständigkeit gesichert bleibt.

PGR und KV sind gewählte Gremien mit umschriebenen Kompetenzen.
Insbesondere die Aufgaben des KV sind im Gesetz über die Verwaltung des Kirchenvermögens ausdrücklich benannt. Das muss schon deshalb in Erinnerung gerufen werden, weil in manchen Pfarreien viele dieser Aufgaben selbstverständlich vom Pfarrer persönlich abgedeckt wurden.

Die rechtliche Zuordnung der Pfarrei-Einrichtungen liegt beim KV. Es ist sinnvoll zu prüfen, ob der KV als Gremium die Leitungsteam-Mitglieder aus seinen Reihen entlastet, indem Trägeraufgaben von einem oder zwei KV-Mitgliedern übernommen werden. [Nicht vergessen: Nicht das Leitungsteam ersetzt den fehlenden Pfarrer, sondern die Pfarrei übernimmt mehr Verantwortung für die eigenen Belange.]

Dadurch, dass Mitglieder des KV beziehungsweise PGR auch im Leitungsteam vertreten sind, ist dieses auch in den jeweiligen Gremien vertreten, im günstigsten Fall durch deren Vorsitzenden. Das bedeutet, dass nicht alle Leitungsmitglieder bei allen Gremiensitzungen dabei sein müssen.

Für den Geistlichen Moderator ist sogar vorgesehen, dass er „nur“ beratendes Mitglied des KV ist und ihm auch keine Verpflichtung zur Teilnahme an den Sitzungen vorgeschrieben wird.

Insofern getroffene Beschlüsse in KV und PGR einer konkreten Umsetzung bedürfen, ist das Leitungsteam verantwortlich, dass dies auch geschieht; gegebenenfalls muss es auch konkret dafür sorgen.

4 Was erwartet das Leitungsteam? Was wird vom Leitungsteam erwartet?

Verantwortung zu übernehmen bedeutet nicht, alles selbst zu erledigen, sondern den Überblick zu behalten, zum Beispiel

  • wissen und daran denken, dass Gottesdienstpläne gegebenenfalls langfristig erstellt werden müssen und die Zuständigen notfalls an deren Erstellung erinnern,
  • wissen, dass Kirchenbücher im Pfarreibüro geführt werden müssen und durch regelmäßige Kontrolle die Kontinuität wahren,
  • sich informieren lassen über Verwaltungsvorgänge im Pfarreibüro und deren Folgen – und entsprechend reagieren, zumindest: wertschätzen.
  • usw.

Mit dem Weitblick - also dem Überblick, der sich schrittweise einstellt - regt das Leitungsteam Vorhaben zur Weiterentwicklung der Pfarrei an. Am einfachsten durch die Erstellung der Tagesordnungen im PGR und KV. Dazu gehört allerdings auch, Entscheidungen vorzubereiten, die gegebenenfalls schmerzlich sind, wie die Schließung einer Kirche oder die nicht mehr mögliche Unterstützung einer bestimmten Gruppe.

Die in allen Lebens- und Arbeitsbereichen geltenden Regeln für eine gute Kommunikation sind auch vom Leitungsteam einzuhalten und zu nutzen. Nur dann gelingt es auch, dass die vielen Beteiligten im Ehrenamt sowie das engagierte Handeln der Hauptamtlichen sich gut miteinander vernetzen. Dazu gehört auch, dass ehrliche Rückmeldungen gegeben werden.

Der Begriff der „Steuerung“ hilft manchem, eine Vorstellung von konkreten Aufgaben zu entwickeln. Das Leitungsteam ist so etwas wie der Steuermann der Pfarrei, Jesus selbst ist Kapitän.

Um mit diesem „Kapitän“ in Kontakt zu bleiben, bedarf es verschiedener Formen der Begleitung und Qualifizierung, die in einem eigenen Kapitel ausgeführt werden.

Aufgaben Leitungsteam zum Ausdrucken

[1] Die besondere Rolle des Priesters im Leitungsteam, dem sog. Geistlichen Moderator, leitet sich neben kirchenrechtlichen Vorgaben aus den „Thesen zur Geistlichen Leitung in Pfarreien ohne kanonischen Pfarrer im Bistum Magdeburg“ ab.

Zuletzt geändert: 11. Mai 2023, 11:41, Von Kleist, Claudia [Claudia.vonKleist]